Das Zeitalter der Unternehmensdemokratie

Unternehmensdemokratie – ein naheliegendes Modell, das tatsächlich auch ökonomisch naheliegende Gründe hat. Ein spannender Faktor, der sicher neu in der aktuellen Diskussion ist. Die grundlegenden Ideen zum Thema Partizipation am Arbeitsplatz und Demokratie in Unternehmen sind schon relativ alt. Oder besser gesagt: Es gab immer schon immer alternative Beispiele, die gezeigt haben, dass so etwas funktioniert. Das Konzept eines demokratischen Unternehmens greift jedoch aktuell „eine Implikation der Digitalisierung von Organisationen auf, deren Bedeutung man kaum überschätzen kann“ (Hans-Georg Schauffer hier).

Einsichten eines Unternehmensdemokraten

„Ich begleite Unternehmen auf dem Weg zu mehr Selbstorganisation und Mitbestimmung.“ So schreibt es Dr. Andreas Zeuch auf seiner Webseite. Ich kenne ihn persönlich schon länger und hatte die Gelegenheit, ihn im Rahmen einer Tagung an der Evangelischen Akademie in Tutzing kennenzulernen. Damals ging es zwar primär um Intuition (vor allem im Management), aber seine Sicht, dass es darauf ankommt, Sinn in der Arbeit zu finden, was bedeutet, mitreden zu können, war da schon sehr ausgeprägt. Doch seit er die empirischen Studien zu seinem BuchAlle Macht für Niemand. Aufbruch der Unternehmensdemokraten“ gemacht hat, hat er, meinem Eindruck nach, sein Thema gefunden. Sowohl auf Facebook in einer entsprechenden Gruppe, als auch vor allem im Rahmen von Präsentationen und Events tritt er zu allen möglichen Gelegenheiten an, die Zuhörer*innen davon zu überzeugen, dass das nicht nur ein spannendes Modell einer Organisation ist, sondern zudem ein äußerst erfolgreiches. Wenn man den Wandel dahin mal geschafft hat. Dass es geht und die Unternehmensdemokraten im Aufbruch sind, kann er wiederum gut an den existierenden Beispielen zeigen. Ein echter Grund, zu seinem Input nach Berlin zu kommen, finde ich.

Dr. Andreas Zeuch in seinem Element. Mit Begeisterung und aus Überzeugung plädiert er für demokratische Unternehmen. Dabei versteht er es sehr gut, die Fallbeispiele seiner Studien anschaulich darzustellen.

Foto: Privat. Verwendung mit freundlicher Genehmigung.

… was wir noch ergänzen wollen

Ökonomisch, oder genauer gesehen unter Effizienzgesichtspunkten, stellt die Idee eines demokratischen Unternehmens die ziemlich konsequente Weiterführung der Überlegungen zu einer partizipativen Führung und kollektiven Entscheidungsfindung dar. Eine Mitbestimmung am Arbeitsplatz und Selbstorganisation von Teams steht zunächst noch nicht zwingend dafür, dass Beschäftigte oder Gruppen an strategischen betrieblichen Entscheidungen teilhaben können. Hinzu kommen muss eine z.T. enorme organisatorische Veränderung. Vor allem jedoch gehört dazu die Auflösung der Hierarchie.

Oder umgekehrt: Die Hierarchie gewinnt eigentlich nur durch a-demokratische Legitimationen ihre Stärke und verteilt darüber Machtpositionen. In dem Moment, indem an den strategischen Entscheidungen einer Organisation alle Betroffenen mitwirken, besteht keine Legitimationsbasis mehr für hierarchische Positionen. Insofern wird sich die Hierarchie Zug um Zug verkleinern. Bzw. fast automatisch zurückgehen, wenn Demokratie tatsächlich zum neuen Bauplan einer Organisation wird. Dass die Entscheidungen im digitalen Zeitalter in Unternehmen anders verteilt und getroffen werden müssen, diese Überlegung teilt sie mit anderen neuen Vorstellungen, wie beispielsweise die Diskussionen um eine Wirearchy zeigen.