Organisation in der digitalen Welt

Wie sieht die digitale Organisation aus? Welcher Bauplan bestimmt die künftige Zusammenarbeit in den Unternehmen? Was muss man sich unter einer Netzwerkstruktur oder fraktalen Betrieben vorstellen? Schlagwörter dazu gibt es genug. Um zu den bisher genannten eines demokratischen Unternehmens und einer Wirearchy noch ein paar hinzuzufügen gibt es da noch die Holakratie und die etwas ältere Bezeichnung einer Soziokratie. Wenn da nicht auch noch die Methode „Working out loud“, Barcamps oder auch MOOCs hinzukommen würden. Das ist schon eine ganze Menge an zum Teil sehr unterschiedlichen Vorstellungen darüber, wie Arbeit und vor allem Zusammenarbeit 4.0 in betrieblichen Organisationen aussehen kann oder auch soll. Insofern geht Thomas Sattelberger (hier) nicht ganz unberechtigt davon aus, dass es einen Systemwettbewerb verschiedener Unternehmenstypen geben wird und ein demokratischer Bauplan nur eine Option unter vielen ist.

Viel Rauch um nichts?

Andererseits verspricht die digitale Revolution ja nicht weniger, als ziemlich disruptiv zu sein. Und das geht ziemlich weit und tief, betrachtet man das bisherige tayloristische hierarchische Organisationsmodell, das auch zu einem nicht zu unterschätzenden Taylorismus bei den Ideen der Arbeitsgestalter führte. In den vorhandenen Möglichkeiten bezüglich des netzwerkorientierten kommunikativen Austauschs durch digitale Kollaborationsplattformen besteht aus unserer Sicht der tatsächliche Mehrwert bzw. die digitale Dividende dieser Revolution. Doch dazu muss man sie tatsächlich als soziale Möglichkeit undgelebte Praxis von Gruppenarbeit in den Unternehmen betrachten, nicht als reine Informations- und Kommunikationstechnologien. Die Gestaltung aller Geschäftsprozesse und strategischen Entscheidungen von den Gruppen her: da ist es gar nicht so verwunderlich, dass sich in unterschiedlichen Teilbereichen und mit verschiedenen Gestaltungsmodellen auch sehr verschiedene Begrifflichkeiten ergeben. In ihrer Essenz kann man sie deshalb auch gut auf einer theoretischen Ebene betrachten zusammenfassen wir das ansatzweise im Rahmen dieser kleinen Druckerei schon probiert haben.

Der Common Sense

Aber bedeutet das tatsächlich das Ende der Hierarchie? Das ist ja zumindest das Motto, unter dem sowohl das Meetup in Berlin stattfindet, als auch diese Blogreihe steht. Natürlich können auch wir Zukunft nicht vorhersehen. Aber nimmt man all die Entwicklungen und vor allem ökonomischen Vorteile, welche die neuen Organisationsformen ergeben, ernst, dann entspricht es dem gesunden Menschenverstand, andere Formen der Zusammenarbeit anzustreben, als rein hierarchische Organisationsstrukturen ermöglichen. Denn nur dann kann in unseren Augen das zustande kommen, was entwicklungsgeschichtlich die Stärke von Menschen ausgemacht hat: dass sie auf Augenhöhe kooperieren und dabei hocheffizient produzieren. So gesehen war eigentlich der Taylorismus und sein Bauplan die Disruption einer erfolgreichen Geschichte. Die nun ihrerseits disruptiv beendet wird. Dass es ziemlich disruptiv werden könnte, belegt diese Anekdote:

Gestern war ich mit einem alten Freund im enlatado (übrigens eine unbedingte Empfehlung!). Er kam gerade aus der Aufsichtsratssitzung eines großen Europäischen Konzerns, wo er vortragen durfte. Anwesend war die Deutschland AG. Der Aufsichtsratsvorsitzende, nennen wir in „Tom“, leger im Trachtenjopperl und offenem Hemd, der Rest – wie mein Freund in dunklem Anzug, weißem Hemd und natürlich mit Krawatte. Auch in diesem Konzern wird viel über weniger Kasterldenken, Hierarchieabbau und Entscheidungsfreiheiten gesprochen. Die Frage ist nur: zu welchen Lasten? Eine Aussage fand ich bemerkenswert: „Da diskutiere ich lieber mit einem beinharten Betriebsrat als mit den wachsweichen Executives“. Es wurde ein langer Abend mit Mahou Bier und guten Tapas – aber ohne klares Bild. Aber das besprechen wir in separatem Blogpost.

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